Sozialer Stand = Maß der Dreistigkeit?
August 15, 2010 in Allgemein, Politik von Sven
Gestern bin ich nach langer Zeit mal wieder mit der Bahn unterwegs gewesen, genau gesagt mit dem ICE von Spandau nach Essen. Nach langem suchen haben wir dann noch 3 einigermaßen zusammenliegende Plätze gefunden. Nach kurzer Zeit kam dann auch die Zugbegleiterin und wollte unsere Tickets kontrollieren. Kein Problem, wir hatten ja welche, einige Plätze weiter jedoch sah es anders aus. Eine junge Familie mit Kleinstkind sah das Fahrkostenkonzept der Bahn als Vorschlag und nicht als Verpflichtung.
Wer mit dem ICE fährt und glaubt ohne Ticket durchzukommen ist selbst schuld. In etlichen Jahren Bahnfahrten ist es bisher nur einmal vorgekommen, dass ich ohne Ticketkontrolle mitgefahren bin. Nun aber nicht schlimm genug, wenn man erwischt wird, soll man wenigstens einsehen, dass es nicht geklappt hat günstig von A nach B zu kommen. Aber dann laut stark zu lamentieren, versuchen “Verbündete” für eine Bahnpreisrevolution im Wagon zu finden ist einfach nur peinlich.
Nun wurde es aber noch schimmer, als das nichts half und keine Gleichgesinnten gefunden wurden, versuchte man es auf die wehleidige Tour. Mobilität sei ein Grundrecht, dies dürfe man auch sozial schwachen Bürgern nicht verwehren, als HartzIV-Empfänger braucht man kein Ticket, da die ja eh viel zu teuer sind, sowas könne man sich eh nicht leisten. Ende vom Lied: Am nächsten Bahnhof wurde dem Schauspiel dann ein Ende bereitet. Mit der Polizei wurde die junge Familie aus dem Zug begleitet, freiwillig wollte man nicht gehen, da man sich immer wieder auf das Grundrecht der Mobilität berief. Unglaublich!
Ist nun der soziale Stand tatsächlich ein Maß für die Dreistigkeit eines Menschen? Ja und Nein, immer mit gewaltigen Außnahmen. Immer verbreiteter wird ein Typ Bürger, der – in diesen Fällen zumindest – bewusst nichts tut dabei staatliche Hilfe in Anspruch nimmt und trotzdem immer noch mehr fordert, z.B. kostenlose Fahrten mit dem ICE. Es gibt aber auch genug Hartz IV-Empfänger – ungewollt dort hineingeratene die mit großem Engagement versuchen wieder auf eigenen Beinen zu stehen – die sich entsprechend Einschränken und akzeptieren, dass man gewisse Luxusgüter verzichten muss. Dass dies nicht schön ist, ist dem klar Denkenden bewusst. Aber auch wenn ich Geld verdiene, leisten kann ich mir auch nicht alles, auch ich muss mich einschränken. Wieso also sollte das für einzelne Personengruppen ausser Kraft gesetzt werden?
Geld verdirbt den Charakter – hat man zuviel davon (also Geld) glaubt man sich alles erlauben zu können, hat man zu wenig davon passiert das Gleiche. In beiden Fällen gibt aus sicherlich Außnahmen. Und in der “Mittelschicht”? Da ist es andersrum, aber auch hier mit vielen Außnahmen.
- Ähnliche Beiträge
Ich gehöre selber zum immer schrumpfenden Mittelstand. Trotz harter Arbeit und einem ganz guten Gehalt kann ich mir als Alleinverdiener auch keine großen Sprünge mehr erlauben. Eine vierköpfige Familie zu ernähren und den Kindern noch etwas zu bieten ist nicht so einfach. Es reich vorne und hinten nicht, gerade wenn dann Dinge außer der Reihe kommen. Zum Beispiel Waschmaschine kaputt oder eine Klassenreise. Wenn ich dann mal auf die Familie der Schwester meiner Frau schaue, die keiner geregelten Arbeit nachgehen. Trotzdem fahren die jedes Jahr z.B. nach Ägypten, weil sie irgendwelche Gelder Zweck entfremden und noch nebenbei irgendwas arbeiten wird mir übel. Mir kommen Zweifel an der sozialen Gerechtigkeit. Daher bin ich dafür, das intensiver geprüft wird und zur Not kriegt halt jeder wieder ein Spaten in die Hand wer als Sozialschmarotzer entlarvt wird. Leistungen werden nur noch in Form von Gutscheinen ausgegeben um Missbrauch vorzubeugen. Mir fiele noch mehr ein, da könnte ich fast ein ganzes Buch drüber schreiben.
Uwe Abel aka Rincewind1964